Konzerte

"Over the rainbow" oder "Singin' in the rain"
Burg Herzberg Festival 19.-22.August 2007


Burg Herzberg 2007Man muss schon Geduld haben, wenn man erst am Freitag eintrifft, um über das Festival zu berichten. Na gut, in den 3 Stunden Wartezeit im Auto ist man wenigstens nicht nass geworden beim ersten kräftigen Gewitter. Chaos beim Einweisen auf die Park-Campingplätze, um dann nach Stunden einen Parkplatz zu bekommen, wo man gleich bis zu den Achsen im Matsch versinkt. Ein echter Tagesparkplatz (vielleicht sogar ein Presseparkplatz) wäre schon schön. Wenn man dann aber die Herzberg Blues Allstars Road nimmt und die Uriah Heep Road kreuzt, wo lauter gut gelaunter Leute rumlaufen, ist der Anreiseärger schnell vergessen. Die vielen Batik bekleideten Hippies aller Altersstufen, die Bongoklänge und die total vermatschte Straße lassen sofort das Woodstock Feeling aufkommen.
Burg Herzberg 2007Ja hier weht noch ein anderer Wind, riecht auch oft nach nostalgischen Kräutern, es ist friedlich und man ist manchmal schon beängstigend gut gelaunt. Gibt es noch echte Hippies und Landkommunen und wie viele Banker verbringen hier ihre Freizeit mit Worten "ja damals...". Der Parkplatz gibt nicht wirklich Auskunft, vom Rost zerfressenen VW-Bus bis zur 70.000 Euro Limousine ist hier alles vertreten. Aber es ist ja auch egal, alle wollen hier gemeinsam eine friedliche Zeit verbringen, feiern und Musik hören. Purple Rain, die junge Band um Philip Bölter die sich dem Retro Sound verschrieben haben kann ich leider nicht mehr sehen, siehe Anreise. Dafür spielt gerade die Ben Granfelt Band, nicht schlecht, guter Gitarrist der etwas erstaunt ist, dass er viel länger spielen darf/soll als erwartet. An diesem Tag sind noch Hans Söllner, Van der Graaf Generator, Pavlov's Dog und Man zu sehen und zu hören.
Woodstock in HerzbergIch finde noch den Standplatz von Bekannten und treffe Klaus den Geiger mit dem alte Geschichten vom legendären Kampf im Jugendzentrum aus dem letzten Jahrtausend aufgefrischt werden. Er wird am nächsten Tag auf der Freak Stage auftreten aber spielt zwischendurch immer wieder irgendwo auf dem Festivalgelände, halt dort, wo sich ein Straßenmusikant am wohlsten fühlt. Die Freak Stage ist insgesamt aufgewertet worden, am Freitag stellte Peter Bursch dort Eurorock, 5 Newcomerbands aus Frankreich, Deutschland, Niederlanden, Litauen und England vor. Am Samstag fand dort Peter Bursch's gut besuchter Gitarrenworkshop statt und Bernd Witthüser gab ein denkwürdiges Konzert. Wenn das Publikum doch bloß nicht seine Texte besser kennen würde, scheißegal, wie er immer wieder sagt. Sonntags beendet die legendäre Band Embryo an dieser Stelle das Festival.
Für Besucher, die keinen 24 Stunden Grill auf dem Camping Platz betreiben,  ist das kulinarische Angebot sehr gut. Von der biologisch erzeugten Curry Wurst bis zu den obligaten Energiebällchen ist alles vertreten. Meine Lieblingskombination ist die Thaiküche mit anschließendem Kaffee und Kuchen bei der Landkommune. Und natürlich gibt es eine Unzahl von Verkaufsständen (Freak City), jede Menge Batikklamotten, exotische Musikinstrumente bis zur Buddha Figur und dem Räucherstäbchenhalter. In meinem Alter fragt man sich jedoch oft, wozu man das braucht und welches Kind dafür in Fernost arbeiten musste, naja, man kann ja sein Gewissen am Stand von Greenpeace erleichtern und wenn das nicht hilft, gibts ja noch den esoterischen Notdienst. Viele Familien sind angereist, die Atmosphäre ist ein Paradies für Kinder, die ja ein eigenes Kinderland haben und leider auch für oft nervende Hunde. 
Burg Herzberg 2007Die Highlights des Samstags waren sicherlich die Edgar Broughton Band, Colosseum und Uriah Heep. Am Samstag kam allerdings auch der Regen und das nicht zu knapp. Gleich mehrere Gewitter hatten sich in diesem Tal verabredet und verwandelten das Gelände in eine Schlammwüste. Der wirklich gute Set von Broughton brachte immerhin das Motto des Festivals zum Vorschein, "Over the rainbow", zumindest kurzzeitig war er schwach zu sehen. Colosseum begannen ihren Auftritt mit "Singin' in the rain" aber da ging der Regen erst so richtig los. Ein tolles Konzert, auch das Publikum ließ sich die Stimmung nicht vom Wetter verderben. Ein Kamerateam das eine Doku zum Festival macht, wurde bei Colosseum sogar vom Rockpalast Chef Peter Sommer verstärkt, die Band will das Konzert für ihr Archiv und vielleicht bekommen wir es auch mal zu sehen. Im strömenden Regen verabschiedete sich dann auch meine Kamera, daher keine Fotos mehr nach Colosseum (ja die Elektronik, eine alte Leica hätte weiter gearbeitet!). Krönender Abschluss am Sonntag, die Herzberg Blues Allstars 007. Egal ob Nostalgie, Sehnsucht, Lebenstraum oder echter Lebensstil, es hat wieder Spaß gemacht und man wird im nächsten Jahr wiederkommen. Ich hoffe aber das die Veranstalter nicht noch mehr Tickets verkaufen, mit den 10.000 Besuchern hat sich das Festival an der Kapazitätsgrenze bewegt und die Stimmung wird mit noch mehr Besucher auch nicht besser.

120 Fotos vom Festival

Links:
www.burgherzberg-festival.de
www.freakstage.de

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